Die Tempelhofer Dorfkirche stammt aus der Zeit um 1210. Sie wurde einst im Zuge der Kolonisierung und Christianisierung des deutschen Ostens von den Tempelrittern als Komtureikirche erbaut. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde sie in den Kriegsjahren 1943/44 durch Bomben stark zerstört.
In den Jahren 1954/1956 wurde sie unter Mitwirkung des Amtes für Denkmalpflege durch den Architekten Konwiarz auf den Mauerresten wieder errichtet und am 16. September 1956 erneut in den gottesdienstlichen Gebrauch genommen.
Das Innere der Kirche bildet heute eine harmonische Einheit, bei der der Charakter einer schlichten Dorfkirche bewusst gewählt wurde. Die Fenster an den Längsseiten sind von neogotischen in die romanische Form zurück gebaut, die Sakristei ist in neuer Form angebaut worden. Auf saubere handwerkliche Arbeit wurde besonderer Wert gelegt. Decke und Fachwerk bestehen aus handbehauenen Balken, Gitter und Wandleuchter sind handgeschmiedet.
Der Altarraum wird verziert durch das von dem Berliner Künstler Paul Ohnsorge geschaffene Buntglasfenster. Das 1848 geschaffene Rundfenster stellt den erhöhten Christus dar, den Herrn der Kirche. Er gibt seiner Gemeinde den Auftrag, die Völker zu lehren und zu taufen (Matth. 28,19). Das linke Fenster stellt die Wortverkündigung dar: Prediger und Gemeinde. Das rechte Fenster stellt die Taufe dar, das Schlitzfenster in der Mitte zeigt christliche Symbole, die auf das Sakrament des Abendmahls hinweisen.
Altar und Kanzel sind heute in betont schlichter Form gehalten, wie es dem Ganzen entspricht. Das geschnitzte Kruzifix ist ein Kunstwerk holländischer Schule aus dem 16. Jahrhundert. Die Altarbibel wurde zur Einweihung der neu erbauten Kirche vom ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss gestiftet.
Der Taufstein ist in seiner Form dem alten Taufstein nachempfunden. Das Original befindet sich seit 1870 im Märkischen Museum / Berlin.
Der Flügelaltar an der rechten Seitenwand ist ein besonderes Schmuckstück der Kirche. Er ist ein Geschenk der lutherischen Kurfürstin Katharina von Brandenburg. Die Gemahlin des Kurfürsten Joachim Friedrich besaß das Gut Tempelhof von 1601 bis 1603.
Der Altar hat die Notzeiten des Dreißigjährigen Krieges und des Siebenjährigen Krieges sowie den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden.
Er wurde 1836 auf Geheiß des Königs Friedrich Wilhelm IV. erstmalig und in den folgenden Jahren wiederholt durch das Amt für Denkmalpflege restauriert.
Bis in das 19. Jahrhundert diente er als Hauptaltar in der Dorfkirche. Das Altarbild ist eine meisterhafte Kopie eines Werkes von Lukas Cranach aus dem Jahr 1506. Die Kopie wurde von Daniel Fritsch 1596 im Auftrag der Kurfürstin angefertigt. Beide Jahreszahlen sind im Bild verzeichnet. Das Original wurde für die Stiftskirche der Universität Wittenberg gemalt und gehört heute zur staatlichen Kunstsammlung Dresden.
Das Mittelfeld stellt das Martyrium der Heiligen Katharina von Alexandrien dar, die 50 heidnische Philosophen zum Christentum bekehrte und dafür gerädert werden sollte. Ein von Gott gelenkter Blitz ersparte ihr die qualvolle Hinrichtungsart, indem er das Rad zerschmetterte. Deshalb wurde sie dann durch das Schwert des im Zentrum des Bildes sichtbaren Scharfrichters schnell hingerichtet. Alle Figuren des Mittelfeldes zeigen porträthafte Züge, gut erkennbar sind Friedrich der Weise und Johann der Beständige von Sachsen, die beide eine große Rolle in der Reformation spielten. Die Seitenfelder zeigen weitere Heilige; links: Dorothea mit den Paradiesrosen und den Erbprinzen Johann Friedrich von Sachsen, Agnes mit dem Lamm und Kunigunde mit glühender Flugschar. Rechts: Barbara mit dem Kelch, Ursula mit dem Pfeil und Margarete mit dem Teufel in Drachengestalt. Geschlossen zeigt der Altar links Genoveva mit Kerze und Appolonia mit der Zange und rechts Christina mit dem Mühlstein und Ottilie mit Buch und zwei Augen. Die Burg auf dem rechten Seitenflügel ist die Veste Coburg.
Die Gemälde der linken Seitenwand entstammen der Heilig-Geist-Kapelle und sind eine Leihgabe des Amtes für Denkmalpflege. Sie zeigen Szenen aus dem 1. und 2. Buch Mose:
1. Die Opferung Isaaks
2. Der Bund Noahs mit Gott nach der Sintflut
3. Durchzug der Israeliten durch das Rote Meer
4. Die Sintflut
5. Der Turmbau zu Babel (wurde in den 60iger Jahren entwendet)
Um das Jahr 1200: Angehörige des Tempelherrenordens gründen die Komturei Tempelhof mit Wehranlage und Kirche auf einer von Teichen umgebenen Insel.

Bauform der Kirche mit einem Turm auf der Westseite. Seit ca. 1240 Dachreiter.
1312 Auflösung des Tempelherrenordens durch Papst Clemens V.
1318 Tempelhof geht an den Johanniterorden
1435 Abtretung der Dörfer Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde und Richardsdorf (Rixdorf) an Berlin und Cölln als Folge von Kampfhandlungen
1539 Reformation in Brandenburg
1618-1648 Plünderung der Kirche im Dreißigjährigen Krieg
Die Bevölkerungszahl sinkt rapide. Grundlegende Renovierung der Kirche. Die Kirche erhält einen hölzernen Barockturm.
1760 Plünderung der Kirche durch russische Truppen
1847-1848 Große Umbauten in der Dorfkirche Einbau einer Orgel
1893 Tempelhof wird selbständige Pfarrei (seit 1693 Filiale von Britz)
1914-1915 Bau der Glaubenskirche als neue Hauptkirche der städtisch gewordenen Gemeinde.
1943 Dachstuhl und Holzdecke brechen durch die Erschütterungen naher Bombeneinschläge  zusammen.
28./29. Jan. 1944 Die Dorfkirche fällt englischen Brandbomben zum Opfer.

Umfassende Informationen und Bilder finden Sie in unserer Broschüre:
Marion Hoppe (Hg.): „Berlin. Die Dorfkirche Alt-Tempelhof“, 2012, Verlag Schnell & Steiner GmbH, 72 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Preis: 5,- Euro exklusiv in der Gemeinde, 5,95 Euro im Buchhandel,

ISBN 978-3-7954-2659-0.
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